Gesine Agena: Wir sind doch die, von denen ihr „die Erde nur geborgt“ habt! « Wie das Wachstum in unser Denken kam

Gesine Agena: Wir sind doch die, von denen ihr „die Erde nur geborgt“ habt!

6. Mai 2011, von

Sprecherin der GRÜNEN JUGEND

Es ist kein Wunder, dass der Wachstumswahn nicht nur das wirtschaftliche Denken und fast alle politischen Parteiprogramme durchzieht, sondern sich ebenfalls als Paradigma in unserem Denken festgesetzt hat. Schon von Beginn an werden wir mit ihm erzogen und wachsen in einer Gesellschaft auf, in der immer noch das Motto „höher, schneller, weiter“ gilt. Die Verwertungslogik ist allgegenwertig, ganz egal, ob man sich die Schulen oder die Universitäten anschaut. Überall werden Jugendliche dazu angehalten, sich möglichst schnell bestimmtes Wissen anzueignen, das für Unternehmen und das Bruttoinlandsprodukt von Bedeutung ist. Erwartet wird, früh in die Schule zu kommen, nach 12 Jahren Abitur machen, im Bachelor-Master-System innerhalb der Regelstudienzeit die nötigen Creditpoints zu sammeln, um dann dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Gerade für uns als junge Generation ist der Text von Harald Welzer demnach eine Beschreibung der Gesellschaft, die wir sehr gut kennen. Immer mehr Studierende werden psychisch krank, weil sie unter dem ungeheuren Druck des Leistungsdenkens unserer Gesellschaft, der sich ebenfalls im Bildungssystem äußert, leiden.

Aus einer anderen Perspektive betrachtet, sind wir jedoch noch viel betroffener von dem, was Welzer als Wachstumsdruck beschreibt: Wir sind doch die Generation, von der die Grünen einst sagten, sie haben sich die Erde „nur geborgt“. Wir werden weiter leben müssen mit den Folgen des Klimawandels und den Zerstörungen der Umwelt und dem Verlust der Biodiversität. Und diese resultieren aus dem Wachstumszwang der kapitalistischen Logik. Diese Logik hat schwerwiegende ökologische Konsequenzen, denn dem Prinzip der Gewinnmaximierung ist egal, wie viel Regenwald gerodet wird, wie viele Emissionen von Kohlekraftwerken ausgestoßen werden und welche Rohstoffe verschwinden. Nun könnte man anführen, dass natürlich auch in kommunistischen Systemen der Klima- und Umweltschutz keine besonders herausragende Rolle gespielt hat. Richtig, aber der Wachstumszwang als Kernelement des Kapitalismus hat in den Ländern des globalen Nordens das Klima derartig angeheizt, dass jeder Fingerzeig auf andere Systeme ein Witz geworden ist.

Der Wachstumszwang hat jedoch nicht nur ökologische Konsequenzen, sondern auch soziale; auf nationaler sowie auf internationaler Ebene. Auch wenn soziologisch nicht mehr von Klassen, sondern von Schichten gesprochen wird, bleibt der Sachverhalt der Ungerechtigkeit bestehen. Auf der einen Seite werden immer mehr Menschen gezwungen, zu menschenunwürdigen Bedingungen zu arbeiten. Auf der anderen Seite sehen wir in Fortschritt und Wachstum die Zaubermedizin gegen Ungerechtigkeit in der Welt. Doch auch nach der Finanzkrise, welche eine Unmenge an Vermögen zerstörte, zeigt sich, dass wenige Menschen den größten Teil des Vermögens und der Einkommen besitzen, während ein größer werdender Teil der Gesellschaft in Armut lebt. Die Medizin hat eben auch die Nebenwirkung, dass die Schere zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden immer weiter aufgeht. So leben wir auf Kosten der Menschen, die am Wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, die ihn aber am Stärksten zu spüren bekommen.

All diese Folgen der Wachstumslogik werden wir als junge Generation besonders stark zu spüren bekommen. Als politische Jugendorganisation versucht die Grüne Jugend seit einiger Zeit eine Antwort auf all diese Probleme zu finden. Noch ist dies nicht ausreichend gelungen, denn es ist schwierig den Weg hin zur Postwachstumsökonomie zu beschreiben, ohne dabei in eine Ökodiktatur zu verfallen oder die vielen Zweifel an der Wachstumskritik zu widerlegen.

Ein zweiter Grund kommt hinzu: „Wege aus dem Wachstum und Strategien hin zur postcarbonen Gesellschaft werden vorwiegend auf technologischer und ordnungs- und anreizpolitischer Ebene gesucht; Lebenswelt und Mentalitäten tauchen als Variablen in den technoiden Szenarien der „Dritten Industriellen Revolution“ nicht auf“ schreibt Harald Welzer in seinem Essay. Dieser Satz drückt aus, dass es nicht einfach ist, die Wachstumslogik aus der Gesellschaft zu verbannen, ohne zuvor das Wachstum als mentale Infrastruktur überwunden zu haben. Dieser Aufgabe müssen wir uns stellen – als politische Organisation und als Gesellschaft.

Welzer ist mit seinem Text insofern hochaktuell und eine Bereicherung zur Wachstumsdebatte, die schon seit über 30 Jahren geführt wird. Der einzige Punkt, in dem ich ihm widerspreche, ist die Kritik an der sozialen Flexibilisierung. Die Gesellschaft ändert und wandelt sich. Zwischenmenschliche Beziehungen sind heutzutage nicht mehr ein fester und unveränderbarer Zustand, sondern Teil der Wandlung und der Individualisierung der Gesellschaft selbst. Ich persönlich halte das für einen Gewinn im Sinne des liberalen Grundgedankens. Es gibt viel zu kritisieren an der postmodernen Gesellschaft, in der wir leben: Die Schnelllebigkeit, der Konsumismus zu Lasten der Umwelt oder der Egoismus, der sich gerade bei einem Großteil auf der Gewinnerseite des ungezügelten Kapitalismus ausgebildet hat. Entschleunigung, Selbstreflexion und soziale Gerechtigkeit könnten darauf die richtigen Antworten sein. Aber Individualisierung hat auch positive Seiten und trägt nicht nur zum Wachstumswahn bei.

Die Aufgaben, die die Gesellschaft zu bewältigen hat, sind groß. Denn es ist nicht einfach, das Wachstumsparadigma zu überwinden. Aber die Chancen bestehen: Schaffen wir es, die mentalen und politischen Infrastrukturen für eine Gesellschaft und eine Wirtschaft ohne Wachstum zu reorganisieren? Dann würden wir damit in einer Zivilisation leben, welche die ökologischen und sozialen Probleme global bewältigt – weil sie entschleunigt ist! Das alles ist politisch durch das Mittel der Umverteilung zu organisieren: Umverteilung von Reich nach Arm, Umverteilung von unökologisch zu erneuerbar, Umverteilung von Nord nach Süd, das ist für uns als Grüne Jugend der Weg zu mehr Gerechtigkeit – zwischen den Regionen, Klassen und Generationen. Das wäre sicherlich ein Gewinn für das Individuum und die Umwelt.

 

Gesine ist 23 und seit 2009 Sprecherin des GRÜNE JUGEND Bundesverbandes. Sie studiert in Potsdam Politikwissenschaften und lebte in ihrer Kindheit auf einem Bio-Bauernhof an der Nordsee.

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7 Comments

  1. Liebe Gesine, danke für deinen spannenden Beitrag! Ich stimme dir in vielen Punkten zu, will jedoch einige Aspekte hinterfragen und hoffe, dass die Debatte damit durchstarten wird:

    Du schreibst, dass sich das Wachstumsparadigma in “unserem Denken festgesetzt” hat. Danach führst du aus, was uns diesbezüglich von vorherigen Generationen aufgebürdet wurde und wie wir darunter leiden. Meiner Meinung nach hast du Recht, dass der externe Druck auf uns durch Studienreformen, „effizientere“ Schulsysteme und vieles weiteres enorm ansteigt. Ich meine jedoch, dass wir als reflektierende junge Menschen auch eine Mitverantwortung bezüglich des Einflusses dieser externen Faktoren auf unsere mentale Infrastruktur haben: wir sammeln Creditpoints, machen Praktika, „bauen“ umfangreichere Lebensläufe und fördern dadurch das System des Wachstumszwangs – sei es gewollt oder ungewollt. Und wie werden wir dann verhindern, dass wir nicht selbst zu einer weiteren Generation werden, die unseren Kindern ähnliche Zwänge unterbewusst vermittelt?

    Außerdem führst du aus, dass es der Grünen Jugend „noch […] nicht ausreichend gelungen ist”, einen Weg aus dem Wachstumsgedanken hinaus zu finden, da es schwierig sei, „den Weg hin zur Postwachstumsökonomie zu beschreiben, ohne dabei in eine Ökodiktatur zu verfallen oder die vielen Zweifel an der Wachstumskritik zu widerlegen”. Ich würde dem hinzufügen, dass es meiner Meinung nach am schwierigsten ist, den Weg hin zu einer Postwachstumsökonomie zu beschreiben, ohne dabei etliche (teils unlösbare?!) Widersprüche im eigenen Leben aufzudecken!

    Ein weiterer Punkt: Ich will dir nicht absprechen, dass die heutige Flexibilisierung und Individualisierung „positive Seiten hat“. Auch ich profitiere in meinem Leben in sehr großem Maße davon. Dennoch bleiben beide Entwicklungen im Verständnis unserer Gesellschaften der mentale Wachstumsmotor Nr.1. Hier findet sich einer der größten Widersprüche der Debatte: mehr Individualisierung und Flexibilisierung bedeuten mehr Mobilität und mehr (Entscheidungs-)Freiheit – wie sind diese Punkte längerfristig mit (mentaler) Entschleunigung zu verbinden?

    Schließlich führst du als ideale Lösungsmöglichkeit „das Mittel der Umverteilung“ an. Während ich deine Forderung nach Gerechtigkeit unterstreiche, verstehe ich den von dir angeführte Zusammenhang noch nicht. Wie stellst du dir vor, dass Umverteilung in deinem Sinne unsere mentale Wachstumsdimension beeinflusst und eine Postwachstumsgesellschaft ermöglicht? Es gibt zumindest historisch einige Gegenbeispiele für diesen postulierten Zusammenhang: So wurde Wachstum erstmals als politisches Konzept in der Sowjetunion der 20er Jahre eingeführt; hauptsächlich um Umverteilung besser zu planen.

    • Hallo David,

      ich weiß das deine letzte Frage an Gesine gerichtet war, aber ich nehme mir trotzdem mal die Freiheit zu antworten 😉

      Als ein herausragender Grund warum unsere Gesellschaft „mehr Wachstum“ braucht, wird die These genannt, dass ein größerer Kuchen mehr zum verteilen hergibt. Was dabei aber deutlich ausser acht gelassen wird ist, dass der Kuchen weltweit bereits so groß ist, dass jeder Mensch sehr gut leben könnte. Eine gesunde Portion „Luxus für alle“ ist schon jetzt möglich, was dem entgegensteht ist die ungerechte Verteilung bereits bestehender Güter. Eine kleine Anzahl von Menschen besitzt so viel, dass weder sie selbst noch ihre Nachfolgegeneration effektiv in der Lage wären diesen Besitz zu verkonsumieren, während auf der Welt immer noch Hunger, Armut, Krankheiten und Tot eine Vielzahl von Leben belasten. Die Wirtschaft muss nicht mehr wachsen, damit alle gut leben können! Es ist jetzt schon möglich, aber es fehlt der politische Wille konsequent umzuverteilen.
      Stattdessen wird auf Kosten von Mensch und Natur weiter für die Müllhalde und die Firmenbilanzen produziert.

      • Lieber Fabian,

        aber nur weil ein Argument für mehr Wachstum eine besser mögliche Umverteilung ist (und ich kenne einige Wachstumsbefürworter, die diesen Punkt noch nicht mal als Argument für Wachstum anführen), besteht doch noch kein kausaler Zusammenhang zwischen einer gerechterern Umverteilung und dem Verschwinden des Wachstumsgedankens? Ich verstehe nicht, wie ersteres direkt zu zweitem führen kann – das hat es bislang zumindest auch nicht. Ich finde, eine Umverteilung im beschriebenen Sinne ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit; aber zur Veränderung der mentalen Infrastrukturen hin zu einer Postwachstumsgesellschaft trägt sie nicht automatisch bei – dazu müssen wir, wie Welzer sagt, viel eher bei uns im alltäglichen Leben und im Denken beginnen.

  2. Hallo David und Fabian sowie Gesine,

    da haben wir schon einen der Knackpunkte der Wachstumsdiskussion erreicht: Wachstum und Umverteilung/soziale Gerechtigkeit. Einmal sagst Du, Fabian, dass es eigentlich genug gibt für alle und lediglich die Verteilung falsch ist. Das mag in Bezug auf die Möglichkeiten stimmen. Wir können genug Nahrung für alle Menschen produzieren und im perfekten System von Recycling, Effizienz und Suffizienz kann vielleicht auch jedeR ein iPhone mit all den seltenen Rohstoffen drin besitzen. Doch ist faktisch wirklich schon genug auf der Erde vorhanden. Ist es NUR die Umverteilung? Ist der Kuchen ausreichend groß? Ich denke nicht. Denn wir reden nicht einfach über den Kuchen „Energie“ oder „Nahrung“ oder „Geld“, sondern müssen uns auch die Qualität des Kuchens anschauen. Ist er fossil oder erneuerbar? Sauber oder ausbeuterisch? Wenn das zu verteilende Gut nicht gut ist, dann ist es doch egal, ob genug da ist oder nicht. Fakt ist, dass es zu wenig von den guten, den sauberen, den das Leben besser machenden Gütern gibt. Und warum? Weil die schmutzigen, schlechten, fossilen Güter im Wege stehen.
    Es geht also um die Umverteilung des Wachstums selbst! Das meint Gesine wohl, dass Entschleunigung dudurch kommt, dass die Reichen nicht immer reicher werden, sondern die Armen etwas wachsen können. Dafür aber die Reichen schrumpfen. Erneuerbare Energien müssen wachsen, aber Kohlekraftwerke dafür geschlossen werden. Der Globale Süden darf nicht des Rechtes auf „Entwicklung“ beraubt werden. Dafür muss dem Norden etwas Wachstum genommen werden (z.B. konkret durch einen Finanzmittelabfluss aus dem Haushalt für einen internationalen Klimafonds). Das ist Umverteilung. Ebenso folgt das Klassenmodell oder die intertemporale Perspektive (zwischen Generationen) diesem Modell. Konkrete Umverteilungspolitik bewirkt ein Wachsen und eine Schrumpfen. Hier muss Politik steuern.
    Die Frage ist, in welchem Modus diese Umverteilung läuft.
    – Umverteilung nur, wenn unterm Strich mehr (BIP, Geld, Emissionen…) rauskommt und der Norden auf jeden Fall mehr hat. (Status Quo, verlustfreie Umverteilung)
    – Umverteilung nur, wenn unterm Strich mehr rauskommt (Wachstumsorientiert, verlustarme Umverteilung)
    – Umverteilung so, dass die Armen/der Süden profitieren aber insgesamt weniger rauskommt (Schrumpfung und dennoch mit Gerechtigkeitsaspekt)

    Um nun hin zur dritten Variante zu kommen müssen sich unsere Geister transformieren. Wir müssen Umverteilung im Sinne der Solidarität als zentrales Leitbild verankern. Doch die Menschen denken dann ja immer viel zu schnell: „Ich hab doch hart gearbeitet, das ist mein Geld.“ oder „Warum soll ich den Anderen was geben, die sind doch faul!“ Wer gibt schon freiwillig ab? Abgeben lindert meist die Chancen der eigenen Entfaltung bzw. des persönlichen materiellen Wachstums. Somit steht die Idee der Umverteilung dem Wachstumsparadigma gegenüber, und ist nicht Teil dessen. Diesen Gegensatz gilt es politisch klarer zu artikulieren.

    • Hallo Georg,

      ich stimme dir absolut zu, dass natürlich auch die Qualität der Güter ein entscheidender Fakt ist. Das ich das nicht extra aufgeführt habe, liegt daran das für mich als Grüner Effiziez, Erneuerbarkeit und auch Suffizienz in Bezug auf Wirtschaft selbstverständlich sind. Wenn wir aber bei dem Wachstumsbegriff bleiben, der sich allein auf monetär bewertbare materielle und imaterielle Güter bezieht, dann ist in meinen Augen das bisher notwendige Wachstum bisher bereits erreicht. Ein sektorales Wachstum tatsächlich nachhaltiger Industrien bei gleichzeitiger Schrumpfung der ressourcenverschwender sollte aber meiner Ansicht nach insgesamt kein weiteres Wachstum mehr hervorbringen. Stattdessen genügt, um der globalen und sozialen Gerechtigkeit genüge zu tun, eine Weltweite Umverteilung. Das jetzt natürlich nur als Ziel formuliert, das die Umsetzung schwer wenn nicht nahezu unmöglich ist, ist auch mir bewusst.

  3. Im Allgemeinen sind wir uns ja alle einig, dass es wünschenswert und erstrebenswert ist, dass es zu einer gerechteren Verteilung kommt und auch die Qualität der Güter stimmt. Allerdings möchte ich da auch ein Beispiel aus meinem Heimatland Argentinien bringen: Natürlich sind wir jetzt nicht das ärmste aller armen Länder, aber selbst manipulierte Angaben zur Inflation, Arbeitslosigkeit etc. können nicht alles schönen, von daher ist wohl den meisten klar, dass der Wohlstand in z.B. in Europa wesentlich weiter verbreitet ist als in Argentinien.
    Und hier tritt dann ein meiner Meinung nach massives Problem auf: die Politik setzt zu oft auf den Weg, den der Norden seit Jahren eingeschlagen hat, und der uns heute genau vor all diese bereits angesprochenen Probleme stellt. So setzt etwa die jetzige Regierung unter Cristina Fernandez de Kirchner auf den Ausbau der Kernenergie und anderer schmutziger Industrie. Noch heuer soll zum Beispiel das Atomkraftwerk Atucha 2 (keine 120km von der 16Mio+ Stadt Buenos Aires entfernt!) ans Netz gehen – eines der „Prestigeprojekte“ der Regierung, auch im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im Oktober dieses Jahres. Des weiteren gibt es einige Bergbauprojekte (Uran, Gold, etc.) im Westen des Landes, teilweise auch in Gebieten, die eigentlich per Gesetz geschützt und nicht für den Bergbau zulässig sind…die Liste lässt sich leider lange fortführen (falls jemand mehr dazu wissen will, einfach nachfragen).
    Das Ganze wird mit dem Argument „wenn wir das alles machen, dann bringt uns das auch Wohlstand und Reichtum“ legitimiert. Ich persönlich denke, dass es hier sehr wichtig ist – zusätzlich zu den Grossteils schon von euch erwähnten Maßnahmen – in den entsprechenden Ländern des Südens auch die Leute für diese Themen zu sensibilisieren, und aufzuzeigen dass es gute Alternativen zum diesem schlechten, schmutzigen und fossilen Weg gibt. Oder seht ihr das anders?

  4. „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“

    Jesus von Nazareth

    „Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut.“

    Silvio Gesell

    „The greatest tragedy in mankind’s entire history may be the hijacking of morality by religion.“

    Arthur C. Clarke

    Die Aussagen von wahren Genies bleiben für gewöhnliche Menschen unverständlich, und selbst den Gelehrten und ernsthaften Studenten können sie nur mit Mühe sinnhaftig werden:

    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

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Publikation

Die Beiträge in diesem Debattenblog beziehen sich auf das Essay „Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam.“ von Harald Welzer. Wir wollen mit diesem Blog über die Analysen und Ideen des Essays diskutieren und dabei junge Menschen zu Wort kommen lassen. Alle Leser/innen sind aber dazu eingeladen, unsere Gastbeiträge zu kommentieren und zu verlinken. Der Essay kann hier bestellt oder runtergeladen werden.

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Kunst für das „gute Leben“

Mentale Infrastrukturen

Unter „mentalen Infrastrukturen“ versteht Harald Welzer Denkparadigmen, welche geprägte sind durch Alltagsroutinen, Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Deutungsmuster, die ihrerseits an den materiellen und institutionellen Infrastrukturen der Außenwelt gebildet sind. Beispielsweise das „Shoppen“ als Vergnügen zu sehen oder den Anspruch an sich selbst, einen guten Lebenslauf zu haben. Diese Infrastrukturen sind vor Allem von den spezifischen Produktions- und Konsumtionsverhältnissen in einer Gesellschaft abhängig und lassen sich sehr schwer verändern. Menschen werden mit diesen Leitvorstellungen geboren: Fortschritt, Freiheit, Wohlstand – und eben Wachstum