David Rinnert: (Selbst-)Zweifel eines Studenten « Wie das Wachstum in unser Denken kam

David Rinnert: (Selbst-)Zweifel eines Studenten

9. Mai 2011, von

David Rinnert

[D]as Selbst wird zu einer kontinuierlichen Entwicklungsaufgabe mit festgelegten Stufen und Zielen (…). Jede Station in der Gegenwart ist immer schon putative Durchgangsstation für etwas, was danach kommt. In der Gegenwart ist man daher nicht da, sondern nur auf der Durchreise.”

Während ich diese Zeilen aus Harald Welzers Essay lese, überkommt mich ein beklemmendes Gefühl. Schon zu Beginn des Aufsatzes fühle ich mich direkt angesprochen, sogar ertappt. Viele Bilder aus dem Essay kenne ich aus meinem eigenen Leben, obwohl ich doch eigentlich ein wachstumskritischer Mensch bin, jemand der für eine postkarbone Gesellschaft eintritt. Bin ich doch, oder?! Beim Lesen sitze ich im frühlingshaften Garten einer sogenannten „Eliteuniversität” im Pariser Zentrum. Allerdings bin ich nicht wirklich hier, viel eher bin ich nur auf „der Durchreise”, wie Welzer sagen würde. Dies ist bereits mein zweites Auslandssemester im Studium und ich denke daran ob ich wohl selbst bald einer dieser „Laptopmänner mit Selbstausbeutungsfetischismen“ werde… Oder bin ich es ungewollt schon?

In meiner Generation, Jahrgang 1985-1990, wird in letzter Zeit oft über alternative Gesellschaftsmodelle diskutiert.  Wachstumskritik gehört insbesondere unter (linken) Studenten der Sozialwissenschaften oder der Philosophie zu einem salonfähigen Gesprächsthema. Viele Freunde von mir, die in aller Welt studieren oder Praktika absolvieren, wählen grün und wollen später am Liebsten mal „irgendwas in der Entwicklungszusammenarbeit“ machen. Da kann man dann „für etwas Gutes“ arbeiten und fernab vom heimischen Dauerstress den Wandel im Kleinen unterstützen. Aber selbst wer heute einen solchen Job anstrebt, muss sich zunächst für viele Jahre in die sogenannte Lebenslaufgesellschaft eingliedern, die Welzer in seinem Essay kritisiert. „Du willst etwas verändern, etwas bewirken, Zivilgesellschaft fördern und so? Da musst du aber mindestens zwei, drei Praktika gemacht haben, außerdem wäre ein Auslandssemester nicht schlecht, denn die Konkurrenz bei den Bewerbern ist im Moment leider ziemlich groß!“ Kommt meine Generation noch an diesen Ausuferungen vorbei? Hat das Wachstum, das nach Welzer in „unsere Seelen“ kam auch diesen noch nie zuvor dagewesenen Wettbewerb in Ausbildung und Arbeitsleben verursacht?

Ich beobachte einige Studenten um mich herum, die im Schatten einer Kastanie hektisch ihre Automatenkaffees austrinken und dabei energisch auf Laptoptastaturen einhämmern. Die Lebensläufe und Biographien dieser jungen Menschen haben sich wahrlich „ flexibilisiert und globalisiert“. Dabei habe ich dass Gefühl, dass viele Studenten meiner Generation ihre Ausbildung tatsächlich nur noch als „permanente[s] Projekt der Selbstoptimierung in Anpassung an sich beständig verändernde Bedingungen und Anforderungen der Arbeitswelt” sehen. Vor diesem Hintergrund frage ich mich, wie sehr meine Gegenwart schon geschrumpft ist; wie viel Prozent von mir eigentlich schon in der Zukunft leben. Und vor allem denke ich darüber nach, was der eigentliche Selbstzweck einer solch aufopfernden Biographie-Optimierung ist. Macht es überhaupt Sinn, im jungen Alter bereits einen großen Teil an Freiheit und Lebensfreude durch „Selbstzwang“ zu Gunsten eines möglichst perfektionierten Werdegangs aufzugeben?

Ein deutscher Kommilitone setzt sich neben mich auf die Bank. Er schreibt gerade Bewerbungen für ein halbjähriges Praktikum in Kenia, letztes Jahr hat er in Mexiko studiert bevor er dann zum Master nach Paris kam. Auch er will etwas verändern, beschäftigt sich insbesondere mit Klimaschutz. Aber er ist ebenso der Meinung, dass man sich zunächst einmal im wachstumsorientierten Bildungssystem integrieren muss wenn man danach tatsächlich etwas verändern will in der Gesellschaft. Dies wirft allerdings die Frage auf, ob man sich nicht selbst auf dem Weg dahin schon zu stark verändert; sich zu sehr an den allgemein „gültigen“ Rhythmus anpasst um danach wirklich noch für ein Post-Wachstumsmodell eintreten zu können. Sind der Fokus auf Effizienzsteigerung, der immerwährende Traum vom „mehr“, also die zentralen Pfeiler der Wachstumsidee nach Schulzeit, fünf Jahren Studium und etlichen Praktika nicht schon in die tiefsten Ecken der eigenen „Seele“ vorgedrungen? Und vor allem: Reproduzieren die „Eliten“ unserer Generation somit nicht die mentale Dimension des Wachstums immerfort?

Im Garten der Pariser „Eliteuniversität“ geht langsam die Sonne unter. Mein Kommilitone ist inzwischen in der Bibliothek verschwunden, noch immer sitzen viele französische und internationale Studenten um mich herum und arbeiten unermüdlich weiter. Stellen sich diese jungen Menschen überhaupt jene Fragen zum Wachstum, die sich aus Welzers Essay ergeben? Seit der Wirtschaftskrise, die für viele noch immer ein abstraktes Gebilde darstellt, setzen sich Jugendliche und Studenten intensiver mit wirtschaftlichen Grundideen unserer Gesellschaft auseinander. Während einige meiner Freunde überzeugt bleiben von der Notwendigkeit und der Unumgänglichkeit des Wachstums, unter anderem weil „das Streben nach mehr ja nun mal in der Natur des Menschen“ liege, werden andere junge Menschen zunehmend kritischer. Laut einer Emnid-Umfrage von Juli 2010 wollen knapp 90% der Deutschen eine neue Wirtschaftsordnung, bei der Umweltschutz, sorgsamer Umgang mit Ressourcen und sozialer Ausgleich in der Gesellschaft stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig denken jedoch fast 50% der 19- bis 29 Jährigen, dass mit einem höheren Wirtschaftswachstum auch die eigene Lebensqualität steigt. Dieser Widerspruch bestätigt Welzers Argument, dass man zur Veränderung der mentalen Infrastruktur „die Praxis selbst verändern“ muss, „die eben das Bewusstsein so nachhaltig und tief prägt“. Doch wie kann man diesen „ewigen Teufelskreis“ durchbrechen? Wo muss unsere Generation ansetzen, um eben nicht mehr fortwährend als Reproduzent des alten Modells zu agieren?

Einen simplen Lösungsansatz dafür gibt es natürlich nicht und auch Welzer kann in seinem Essay nur mit allgemeinen Ratschlägen dienen. Er hat sicher Recht, dass man zum Durchbrechen der Denkstrukturen im Kleinen anfangen muss etwas zu verändern; gezielt Projekte unterstützen sollte und erst dadurch eigene Abhängigkeiten von alten Gewohnheiten ablegen kann. Doch während Welzer fordert, dass „die Zukunft wieder eine Kategorie des Politischen“ werden müsse, übersieht er, dass dies in unserer Generation bereits geschieht. Eine wachsende Anzahl Jugendlicher führt heutzutage einen Diskurs um unsere Zukunft und ist bereit, alte Handlungsmuster verändern. Trotz all den oben aufgeführten Problemen und Herausforderungen fangen dabei immer mehr junge Mitmenschen an, auch zu handeln. Dies zeigt sich sogar an der erwähnten Pariser „Eliteuniversität“: in den letzten zwei Jahren haben hier mehr als 200 Studenten ein Projekt zur Unterstützung regionaler Landwirtschaft entwickelt, in dessen Rahmen Bauern aus der Pariser Umgebung jede Woche frisches Obst und Gemüse an die Universität bringen. Kleinen Projekten wie diesen mag zwar, wie Welzer schreibt, „im Augenblick noch die Qualität der Gegengeschichte“ fehlen; und wenn 200 Studenten saisongerecht einkaufen retten sie damit weder die Welt noch stellen sie ihr Lebensmodell grundlegend auf den Kopf. Doch sie machen mit der Umsetzung solch kleiner Ideen ein Umdenken im Großen überhaupt erst möglich.

Am Ende bleiben dennoch viele Fragen offen – die Debatte steht erst an ihrem Anfang. Als Kinder unserer Zeit sind wir in einer wachstumsorientierten Gesellschaft aufgewachsen, haben häufig von ihr profitiert und gehen oft mit ihr mit. Wie können wir trotzdem jene von Welzer genannten „neuen Leitvorstellungen“ etablieren, die über bloße Vorstellungen hinausgehen? Wie können wir schließlich kleine Veränderungen in große Projekte umwandeln und trotz den genannten Widersprüchen jenes weitreichende „zivilgesellschaftliche Projekt“ entwickeln, das Welzer fordert?

David Rinnert studiert im MA Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin und ist momentan für ein Auslandssemester in Paris. Neben dem Studium versucht er zum Beispiel, ab und an dem „permanenten Projekt der Selbstoptimierung“ zu entfliehen. Auf weitere Lebenslaufdaten will er daher an dieser Stelle nicht eingehen.

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12 Comments

  1. Hallo,

    zum Thema Wachstum veranstaltet das Humboldt Forum Wirtschaft zusammen mit der Heinrich Böll Stiftung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung am 11.Mai ein ganztägigies, kostenloses Symposium an der Humboldt Universität zu Berlin unter dem Titel „Ausgewachsen? – Wachstum im Zeichen der Nachhaltigkeit“

    Unter anderem mit

    Sanou Mbaye

    Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt Universität zu Berlin

    Prof. Dr. Nikolaus Wolf

    Prof. Dr. Mathias Binswanger

    Prof. Dr. Andreas Irmen, Universität Luxemburg

    Eintritt, Mittagessen und Sektempfank sind kostenlos.

    Weitere Infos unter http://www.hufw.de

  2. Danke für den Tipp, David! Sehr interessanter Artikel. Habe mich statt für Arbeit an der MA heute zur Lektüre des Artikels von Welzer hinreißen lassen.

    Das Problem, das der Artikel stellt, ist meiner Meinung nach folgendes: Welzer geht davon aus, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, um es mal marxistisch zu sagen und siedelt dementsprechend eine Art mentalen Umbruch gleichzeitig mit dem Beginn der Industrialisierung an. Unsere Art, uns selbst und unsere Welt zu denken sei mit einem neuen Zeitverständnis ab dem 18. Jahrhundert grundlegend umformatiert worden.
    Allerdings kann man Welzer in der Art, wie er argumentiert (und wie vielleicht auch Foucault das tun würde) nicht ganz zustimmen. Der Mensch hat nicht erst mit veränderten wirtschaftlichen Bedingungen gemerkt, dass der Tod seine Existenz bedroht und deshalb eine Projektion seiner selbst in der Zukunft geschaffen. Diese Kategorie war, wie Welzer sagt, keineswegs „inexistent“, oder nur christologisch, d.h. zyklisch denkbar vor dem 18. Jahrhundert. In diesem Zusammenhang möchte ich auf das zehnte und elfte Buch der Confessiones von Augustinus hinweisen, die berühmten Kapitel darüber, wie der Mensch Zeit wahrnehmen kann, da er ja immer nur jeden Moment der Zeit einzeln erlebt. Augustinus nennt das „distentio animi“, die Zerspannung des Geistes, die entsteht, wenn der Mensch sich von der Gegenwart aus in der Vergangenheit denkt, in der Gegenwart selbst die Gegenwart immer nur sich entziehen, vorbeiziehen sieht, bzw. sich von der Gegenwart aus in der Zukunft denkt. Aus diesem Konzept macht Paul Ricoeur genau die Grundlage menschlicher Identität: Weil ich zeitliche Erfahrung nicht unmittelbar wiedergeben kann, brauche ich ein Medium, das diese Zerspannung der Seele auffängt und alle Stadien des menschlichen Seins zusammen und logisch kohärent denkbar macht. Dieses Medium kann die Erzählung, oder bedingt auch andere Kunstformen, zB Musik sein. Womit wir beim von dir erwähnten Lebenslauf etc. wären. Diese Form ist, so würde ich sagen, nicht eine wirtschaftlich korrumpierte Abart menschlicher Identität, sondern eine Form, uns selbst zu erzählen, die Projektion unserer selbst in die Zukunft mit dem hier und jetzt zu verbinden, und auch übrigens gar nicht so modern, wie man glauben mag. Lebensprojekte legen eben nämlich auch schon Philosophen wie Augustinus oder Seneca an. Der in seinen Briefen an Lucilius gerade sehr häufig Formen des Futur II verwendet, „wenn du weise geworden sein wirst etc.“, womit auch das etwas komische grammatische Argument Welzers perspektiviert wäre.
    Es ist also nicht die genuin menschliche Art, sich gegen die Zeit in die Zukunft zu denken, die Schuld am Wachstum ist. Das hört sich leider so an bei Welzer, weil er eben diese zeitliche Dynamik mit einer ökonomischen, dem „mehr“ gleichsetzt (S.15).
    Er sagt ja auch schon selbst, das der Schlüssel zum Umdenken genau im Denken selbst liegt, wenn er unterstreicht, wir bräuchten „Geschichten“ (Ricoeur lässt grüßen), die erzählen, wie wir uns unser Leben in einigen Jahrzehnten vorstellen. Wenn also das Problem nicht die Struktur des Sich-in-der-Zeit-Denkens ist, sondern der Inhalt (der nämlich nicht mehr der eines philosophischen Projekts wie bei Seneca oder eine ästhetische Verewigung wie bei Rousseau ist), kann ein Ansatz zur Veränderung eben genau in Fiktionen, in Geschichten liegen, die wir von unserer Zukunft erzählen. Wenzel gibt selbst einen Hinweis, indem er einzelne Projekte als solche Geschichten bezeichnet. Der Effekt, den sie haben (S.40-42), liegt erstaunlich nahe an dem, den Ricoeur der ästhetischen Erfahrung zuordnet: je stärker ein Kunstwerk sich von der Realität abhebt, umso mehr kann es uns über uns selbst und unsere Welt zu denken geben. Am Beispiel ökologisch orientierter Projekte hieße das dann: erst weil diese Projekte sich von der momentanen Realität abheben, können sie ihr exemplarisches Potential ausüben. Folglich muss es nicht um eine Generalisierung oder Politisierung dieser Projekte gehen, sondern um ihre Ästhetisierung. Das kleine, ausschnitthafte, vielleicht sogar fiktive dieser Projekte gilt es, herauszuheben und nicht, sie von vorneherein als „Leitvorstellungen“, als gewollte Realität zu propagieren.

  3. Lieber David,

    ich habe den Beitrag von Harald Welzel noch nicht lesen können. Mir ist aber aufgefallen, dass er sich auch auf Hartmut Rosa bezieht, einen der großen Beschleunigungstheoretiker in Deutschland. Deswegen möchte ich mich noch einmal zur Beschleunigung äußern, auch auf die Gefahr hin, dass ich nicht 100%ig auf Deinen Artikel antworte.
    Ich glaube, dass die Beschleunigung, in ihrer zeitlich-räumlich Flexibilität, selbst eine eigenständige gesellschaftliche Norm geworden ist. Das unterwegs sein, das Rastlose, das Unscharfe, das überall zu Hause sein ist in unserer Generation mehr verankert als in jeder anderen. Wenn wir etwas mit ins Gepäck in unserer Rastlosigkeit mitnehmen, dann ist es wohl die Beschleunigung. Beschleunigung ist aber gerade zu einem Eliten-Mechanismus geworden. Wer sich beschleunigen kann, der gehört dazu, wer nicht, der ist ausgeschlossen. Sozusagen, ein „temporales“ „Proletariat“, wenn man so will. Eine „temporale“ Elite.
    Als diskursive Praxis ist die Demonstration der Beschleunigung in der Elitengesellschaft längst angekommen (und mit Elite meine ich alle mit einem Universitätsabschluss). Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Freund stolz verkündet, dass er für 3-4 Tage irgendwo war und in eins, zwei Wochen geht es wieder woanders hin. Oder: wen man auch anspricht, die Worte „sehr beschäftigt“ gehören immer dazu. Neben der tatsächlichen Beschreibung, die diese Sätze ausdrücken, habe ich immer noch ein unterschwelliges Gefühl, dass die Worte „mobil“ und „beschäftigt“ eine gewisse diskursive Funktion erfüllen. Sie zeigen, dass der Sprecher fähig ist, in dieser beschleunigten Elitengesellschaft mitzukommen, dass er die Qualitäten eines beschleunigten Menschen besitzt, der nahezu an mehreren Orten gleichzeitig wirkt. Beschleunigung, das ist längst eine Tugend geworden. Ob das so sein soll, ist eine andere Frage.

    • Liebe Victoria,

      danke für deinen spannenden und wirklich reichlich unterfütterten Kommentar! Im Bezug auf deinen Leitgedanken hier ein paar Anmerkungen.

      Auch wenn die „menschliche Art, sich in die Zukunft zu denken“ vielleicht nicht neu und alleine am Wachstum Schuld ist, trägt sie doch dazu bei, dass wir uns so schwer tun, eine Alternative in Form der genannten Projekte zu entwickeln. Natürlich sind es zum großen Teil die gedachten Inhalte, die beispielsweise zu dem immer größer werdenden Wettbewerb in der (Aus)Bildung führen. Insofern gebe ich dir Recht, dass es in jedem Fall um ein Umdenken im Sinne einer Ästhetisierung „neuer“ Projekte gehen muss. Ich meine allerdings, dass die menschliche Art sich in die Zukunft zu denken eben durch die Inhalte, von denen du sprichst noch verstärkt wurde und somit beide Aspekte gemeinsam „Schuld am Wachstum“ und nicht einfach begriffstheoretisch zu trennen sind.

      Zum Beispiel würde ich dir nicht zustimmen, dass der heutige Lebenslauf nur „eine Form [ist], uns selbst zu erzählen, die Projektion unserer selbst in die Zukunft mit dem hier und jetzt zu verbinden”. Im heutigen Lebenslauf manifestiert sich viel mehr, als nur eine Projektion unserer selbst in der Zukunft – dieses Medium Lebenslauf, „das [die] Zerspannung der Seele auffängt und alle Stadien des menschlichen Seins zusammen und logisch kohärent denkbar macht” ist eben auch Spiegel unseres Gesellschafts- und Wachstumsmodells und kombiniert damit die von dir genannten zeitlichen und inhaltlichen Dimensionen. Wenn Menschen sich im Rahmen einer wahrgenommenen zukünftigen Gesellschaftssituation zunehmend gezwungen sehen, für Praktika und/oder Studium um die Welt zu reisen, Erfahrungen sammeln zu müssen etc., dann ist eben auch die zeitliche Komponente neben der inhaltlichen ein Faktor, der das Wachstumsrad am Laufen hält. Dass die wahrgenommene Zukunft dabei heutzutage eine andere Rolle spielt als früher, zeigt sich doch zum Beispiel in der Flexibilisierung der Arbeitswelt. Wenn vor dreihundert Jahren ein Mensch die „Projektion seiner selbst“ in der Zukunft sah, dann war diese Projektion vielleicht ein recht konstantes Leben als Bäcker o.ä. Heute übt die Projektion unser selbst in der Zukunft durch die Unsicherheit und die Flexibilisierung einen solchen Druck auf uns aus, dass sie eben mit dazu beiträgt, uns auf das „mehr“ im Sinne des Wachstumsgedankens einzulassen. Und wie kann hierbei die Struktur des „Sich-in-der-Zeit“-Denkens“ unabhängig bleiben von den Inhalten…? Ein Umdenken hin zu einem neuen Paradigma schließt neben den „kleinen Geschichten” daher meiner Meinung nach auch einen veränderten Umgang mit der zeitlichen Komponente „Zukunft” ein.

      • Lieber David, und auch liebe andere Beitragende,

        Ich glaube, es stimmt, was ihr sagt, und zwar einmal, dass heutzutage Denken in der Zeit auch Denken über die Zeit heißt. (Wenn ich dich richtig verstehe.) Also nicht nur, sich vorzustellen, was man in zehn Jahren so macht, sondern auch, sich vorzustellen, wie viel man in zehn Jahren schon gemacht haben wird. Damit wird das „was“ unserer Zukunft essentiell bestimmt von der Zahl an Erfahrungen (Reisen, Jobs, Geld,) in einem bestimmten Zeitraum, das heißt von der „Dichte“ des Lebens, um es mal so zu nennen. Diese Dichte ist eine Qualität, die wir so noch nicht hatten in der Geschichte und, das klingt ja hier auch in vielen Beiträgen an, die meisten fühlen sich überfordert vom Verhältnis zwischen Erfahrung und Zeit, spielen das Spiel aber trotzdem mit.

        Trotzdem stört mich am Aufsatz von Harald Welzer immer noch und immer mehr eine begriffliche Unschärfe zwischen Zeitorganisation, Ökonomie und Wachstum.
        Mal angenommen, es ist tatsächlich so, dass im neunzehnten Jahrhundert so etwas wie Zeitmanagement nötig wird, um sein Leben zu bewältigen und folglich Eigenschaften wie Pünktlichkeit und Schnelligkeit zu Tugenden werden. (Um jetzt mal aus preußischer und nicht zB süditalienischer Perspektive zu sprechen.) Und weiter angenommen, dass es so ist, dass dieser neue Wert von Zeit auch ein Haushalten damit, eine Ökonomie notwendig macht (zB S.18/19), so lässt Wenzel in jedem Kapitel im Dunkeln, warum genau diese Ökonomie oder diese Zeitwahrnehmung das Bedürfnis nach „mehr“ implizieren. Ein intuitives Verständnis von Ökonomie legt doch gerade nahe, dass mit den vorhandenen Ressourcen „gehaushaltet“ wird, das heißt am Ende ein möglichst hoher Gewinn im Verhältnis zum Einsatz herauskommt. Dieses Verhältnis ist aber keineswegs das eines des konstanten Wachstums. Vielmehr kann es bedeuten, aus ökonomischer Vernunft nicht weiter zu expandieren, wenn der Markt saturiert ist, eine Maschine, die „mehr“ Energie verbraucht, gegen eine sparsamere zu ersetzen usw. Gewinnmaximierung heißt dabei Verbesserung des Verhältnisses von Input und Output und nicht zwangsläufig Expansion.
        Das mag wie Wortklauberei erscheinen, aber man muss genau sein. Entweder man definiert „Wachstum“ so wie Welzer als „mentale Infrastruktur des sich immer nur als Vorstufe des nächsten Entwicklungsschritts begreifenden Subjekts“ (25), nimmt dann aber in Kauf, dass der Begriff recht schwammig ist. Warum sollte das Durchlaufen mehrerer (sicherlich geplanter, erwarteter, ökonomisch notwendiger..) Lebensabschnitte, wie Welzer sie beschreibt, bedeuten, dass der nächste immer „mehr“ als der vorherige ist, nur weil er eben der nächste ist? „Lebenslanges Lernen“ zum Beispiel meint doch nun gerade nicht die stupide Akkumulation von immer mehr Wissen, sondern die Anpassung an neue Wissensformen und Informationen.
        Oder aber man begreift „Wachstum“ in der engeren Bedeutung (die Welzer selbst auch aufgreift) als Vergrößerung von Infrastruktur, als Zunahme von Konsum und weltweiter Expansion des Marktes. Das Problem ist nun meiner Meinung nach, dass Welzer diese beiden Arten, Wachstum zu verstehen, miteinander kurzschließt. Sicherlich begünstigen eine flexiblere Arbeitshaltung oder eine gesteigerte Anpassungsgeschwindigkeit das Fortschreiten eines Wachstumsprozesses, aber sie lösen nicht eine Logik des „immer mehr“ und schon gar nicht zwingend „Raubbau an unseren natürlichen Lebensgrundlagen“ aus.
        Diese Problematik ist vielschichtiger und mir scheint, dass andere Faktoren wie das Bevölkerungswachstum (das medizinische und ernährungstechnische Gründe hat, aber nur sehr zweitrangig solche, die die Zeitwahrnehmung betreffen), psychologische Faktoren (Begehren auf das, was der Andere auch hat // Hedonismus gepaart mit Fatalismus angesichts des unausweichlichen Endes etc.) eine größere Rolle spielen als ein verändertet Umgang mit unserer Zeit.
        Das soll nicht alle sehr richtigen Punkte schmälern, die Welzer zum Thema Zeit und Moderne anbringt; diese lassen sich jedoch meines Erachtens besser unter die genannten Kategorien von „Dichte“, „Effizienz“, „Geschwindigkeit“ usw. einordnen als unter das (zur Selbstkasteiung zugegebenermaßen sehr geeignete) Fluch-und-Segenswort „Wachstum“.

    • Lieber Jost,

      deinem Gedanken kann ich nur zustimmen – Beschleunigung ist in der Tat eine Tugend geworden, mit der überall um einen herum geprahlt wird. In Bezug auf den Kommentar von Victoria will ich hinzufügen, dass diese neu entstehende Norm in ihrer zeitlichen Komponente zeigt, wie eben auch das „sich-in-der-Zukunft“-Denken im Rahmen der Wachstumsgesellschaft nochmals eine ganz neue Dimension erreicht hat.

  4. Liebe Victoria,
    das sind total interessante Gedanken!! Mir gefällt v.a. deine Schlussfolgerung, dass ästhetische und kleine Projekte eine bedeutendere Transformationswirkung entfalten können, und dass es „nicht um eine Generalisierung oder Politisierung dieser Projekte“ geht. Zwar bin ich durch meinen Hintergrund bei der Grünen Jugend immer auf genau diese beiden Punkte gepolt, aber auch Welzer spricht sich ja für so etwas wie „in der Kürze liegt die Würze“ aus. Es ist wichtig zu sagen, dass es m.E. nicht um den Gegensatz zwischen „Weltbeglückungsideologien“ und pragmatisch-punktueller Politik geht. Sonder es ist viel grundsätzlicher: Jeder Mensch muss für sich selbst Erfahrungen sammeln durch einzelne (kleine aber feine) Begegnungen mit dem, was für ihn/sie das „Gute Leben“ ist oder zumindest andeutet. So etwas lässt sich wohl nicht politisch schaffen. Was sich aber politisch schaffen lässt, ist die Grundlage für die Freiheit zur und das Recht auf diese Selbsterfahrung!

  5. Lieber Jost,
    das kann ich leider total nachvollziehen. Ständig wird mir erzählt, wer wieder wo war, wen kennengelernt hat und „so viel zu tun hat“. Das läuft natürlich auch anders herum. Meine Mitmenschen dürfen sich ja auch oft genug anhören, wie schwer mein Leben ist und was ich noch machen „muss“. Abgesehen davon, dass so etwas Luxusprobleme sind, ist das laute Aufstöhnen doch vielleicht eine moderne Form der Prahlerei, die meist auch mit einem „Echt?“ „Du Arme.“ oder „Machst Du wirklich so viel?“ – nie mit einem „macht Dich das glücklich?“ oder „weniger ist mehr!“ – quittiert wird.
    Ich habe noch nicht so viel über diese „temporale Elite“ nachgedacht, aber das Konzept leuchtet mir irgendwie ein bzw. ich erkenne es plötzlich in meinem Umfeld wieder.
    Aber ist das auch Wachstumswahn an sich, oder nur Teil einer Strategie, wie wir versuchen mit Wachstumsdruck umzugehen?

  6. Das hört sich alles sehr sehr gut an was Du schreibst. Ich befinde mich in der genau gleichen Situation. Du hälst mir quasi den Spiegel vor die Nase. Gleicher Jahrgang, gleiche politische Richtung etc. Unterschied: ich studiere nichts Geisteswissenschaftliches. Im Maschinenbau bin ich unterwegs und strebe mit meinem Lebenslauf, zwar nicht ganz auf der Elitewelle wie Du, aber dennoch >meinerIngenieure ohne Grenzen< Entwicklungshilfe zu leisten. Ich mach mir viele Gedanken und mit deinem Aufsatz hast Du meine Sichtweise wieder ein wenig geschäft.
    Danke!

  7. Zunächst einmal vielen Dank an Welzer via David für die nachhaltige Anregung, die dieser Aufsatz bei mir ausgelöst hat. Natürlich spüre auch ich den Spiegel, der mir in vielen angesprochenen Punkten vorgehalten wird, sowie den Imperativ, sich mit den dadurch entstehenden Fragen auseinander zu setzen. Das Prinzip des ständig nötigen Wachstums in kapitalistischen Wirtschaftssystemen ist mir schon befremdlich vorgekommen, als ich das erste Mal davon gehört habe, und der Homo Oekonomikus, das muss ich leider bestätigen, herrscht in vor allem den großen Hörsälen unserer Unis nach wie vor unangefochten. Umso mehr freue ich mich über den Diskurs, den Welzers Aufsatz mindestens am Laufen hält.

    Nachdem ich mich einiger zustimmender Kommentare entledigen möchte, die die vielen guten in den Beiträgen bereits dargelegten Gedanken betreffen, würde ich gern ein zwei Aspekte ergänzen, die mir beim Lesen in den Kopf gekommen sind.

    – Für mich ist ein sehr wichtiger Punkt, dass Arbeit und Ergebnis der Arbeit, also Mittel und Zweck, heutzutage bzw. seit dem 19.Jh. verkehrt sind – ein offenkundiger Tatbestand, der einem allzu leicht aus dem Blick geraten kann.

    – W.v.Humboldt: „in sich selbst soviel Welt als möglich zu ergreifen“ – Diesen Drang, ja geradezu Wettbewerb spüren wir wohl fast alle. Auch in meiner Generation sind die meisten Menschen um mich herum sehr strebend und Energie verbrauchend – ohne, dass dabei ein deutliches Ziel oder ein Zuwachs an Zufriedenheit spürbar wäre. In den Versuch einer Erklärung der Motivation, die zu solchem Verhalten führt, würde ich zwar auch andere Aspekte wie Unsicherheit durch Wendeerfahrung u.ä. einbeziehen, das Ergebnis bleibt dennoch das gleiche.

    – Die auf Seite 21 richtig dargelegte Sucht, Zeit zu sparen, zu nutzen, zu akkumulieren:
    Hier wird nicht gefragt, wie wir dass denn eigentlich tun (denn Zeit sparen geht ja bestenfalls nur so wie bei Momo unübertrefflich beschrieben). An dieser Stelle will ich außerdem Victoria zustimmen, dass das Wachstumsparadigma nicht allein die Ursache für die Architektur unserer Um- und Innenwelt ist, ebenso wenig wie es in krankhafter Ausprägung das einzige zu überwindende Denkmuster der heutigen Zeit darstellt.

    – Manchmal stört mich die historische Darstellungsweise im Text dahingehend, dass die Zeit vor dem 19. Jh. unverhältnismäßig glorifiziert wird, zumindest indirekt, indem die Menschen vorher ja all das nicht gewesen sein müssten, was heutzutage so falsch läuft. Wenn das stimmte, wären die Menschen damals alle erleuchtete Buddhas gewesen, die weise in der Gegenwart lebten. Das glaube ich nicht. Allein der erwähnte demonstrative Konsum für die Statussicherung hat doch auch in früheren Generationen eine große Rolle gespielt (kotzende Römer, Prunkbauten an vielen Orten dieser Erde, …)

    Aber apropos Buddha: Nicht zu übersehende Trends im Westen wie etwa der erhöhte Bedarf an Spiritualität, in welcher Form und unter welchem Namen auch immer – werden hier eingereiht in die Merkmale der krankhaften endlos wachsen wollenden Gesellschaft (S. 25). Ich bin jedoch geneigt, darin gerade auch einen Hoffnungsschimmer zu sehen. Denn zeigt das nicht, dass viele Menschen eine neue Sinngebung suchen, die ihnen die Konsumreligion nicht gibt und die gerade auf ein Erlernen des mit sich selbst zufriedenen Jetzt-und-Hier-Seins abzielt? Hier
    ein Zitat von Seite 38, das ungewollt dazu passt:
    „Dies ist exakt der Punkt, an dem Aufklärung an ihre Grenze stößt und immer
    gestoßen ist: Sie erreicht nämlich lediglich den kognitiven Teil unseres Orientierungsapparats;
    der weitaus größere Teil unserer Orientierungen, der, wie gesagt, über Routinen, Deutungsmuster und unbewusste Referenzen – kurz: über den Habitus – organisiert ist, bleibt davon völlig unbeschadet.“
    Und hiermit komme ich zu der für mich persönlich wichtigsten Anmerkung bei der Suche nach Auswegen aus der postmodernen Krise: Ein Umbau jener mentalen Infrastrukturen, die einer dem Planeten und der Menschheit verträglicheren Gesellschaft zugrunde liegen müssen, findet eben nicht nur auf oberflächlicher, reflektierender Ebene statt, sondern er geht viel tiefer in unsere Unbewusstheit, in unser gesamtes Selbst. Wenn wir es schaffen (oder zumindest daran arbeiten), uns selbst erst einmal zu ERKENNEN und für wenigstens ein paar Sekunden ruhig im JETZT zu verweilen, werden sich vielleicht von selbst die persönlichen Schritte in die richtige Richtung ergeben. Dann erscheinen solche Möglichkeiten wie Beschränkung gewissen Konsumierens oder Begehrens auch nicht mehr als Verzicht oder gar Kasteiung – wir können Solches dann vielmehr aus Einsicht und tieferem Verständnis heraus tun.
    Hoffentlich.

  8. Hallo David,

    mir gefällt dein Essay sehr gut und es beschäftigt sich genau mit den Gedanken, die man als junger universitär gebildeter „Gutmensch“ so mit sich herumträgt.

    Ich möchte ein paar Dinge anmerken:

    Thema Wachstum: Man wirft im Zusammenhang mit der Wirtschaft gerne alles in einen Topf und sagt soetwas wie: „Wachstum treibt uns dazu, Lebenlaufspezifisch unser Leben zu druchhecheln“

    Es ist definitiv zu einfach das Wirtschaftswachstum für Lebenslauffragen verantwortlich zu machen. Wirtschaftswachstum wird in der heutigen Zeit am BIP gemessen und ist vereinfacht die Summe aller Waren und Dienstleistungstransaktionen in einem Lande in einem Jahr. Was hat das mit Lebensläufen zu tun?

    Außerdem ist Wirtschaftswachstum per se weder nicht Umweltverträglich noch schlecht für die Zeiteinteilung des Menschen.
    Es wird schlecht für die Umwelt, wenn es mit Raubbau aus der Natur einhergeht. Das ist dann allerdings der Energie und Ressourcengewinnung die dem Wirtschaftswachstum in unserer heutigen Zeit zu Grunde liegt geschuldet.
    Was ich sagen will: Wir müssen vielleicht nicht mit dem Wirtschaftswachstum aufhören um die Welt zu verbessern, sondern dieses Wachstum umweltfreundlicher gestalten. Eine Welt ohne Wachstum ist denkbar, aber ohne eine riesige Krise meines Erachtens nicht durchsetzbar.

    Hier sind wir beim nächsten Punkt:

    Die Welt kann nicht gerettet werden. Die Welt muss garnicht gerettet werden. Und wenn sie es müsste, würde ich sicher keinen Menschen schicken.

    Was wir sicherlich nicht brauchen, ist ein Plan der alles sofort umwirft. Es gibt sicher 1000 solcher Pläne aber komischerweise ist keiner davon umgesetzt worden. So etwas wie die Französische Revolution sehe ich nicht als totalen Umwurf an. Ich fände es auch mehr als nervig, wenn ich – bezogen auf gesellschaftliche Strukturen – ALLES ab sofort neu lernen müsste.

    Es soll nicht alles verändert werden, das kann kein Ziel sein. Es besteht so viel Gutes in dieser Welt und besonders in diesem Land, dass es nicht erwünscht sein kann, alles von Grund auf zu ändern. Abgesehen davon, dass es unmöglich wäre.
    Verbessern, das ist für mich das Stichwort.
    Ständig die bestehenden Institutionen kontrollieren und verbessern, neue schaffen, auf Veränderungen reagieren. Das ist notwendig.

    Ja und der Lebenslauf bzw. die Zeit:

    Du kannst auch alles anders machen. Du musst nicht in der Eliteuni studieren, keinerlei Praktika machen und kannst einfach dein eigenes Geschäft aufmachen. Oder du wirst Straßenmusiker. Freier Künstler. Warum zwängt man sich denn in das angesprochene lebenslaufkonforme Korsett?
    Weil man denkt, dass es „auf dem Weg nach oben“ der Gesellschaftsleiter eben hilfreich ist.
    Man möchte ja was werden. Und heute ist halt Entwicklungshilfe ziemlich sexy.

    Und: Irgendwas muss man ja machen. Den ganzen Tag auf der Couch sitzen ist auch langweilig. Aber durchaus möglich.

    Am Ende muss ich Mareike zustimmen, dass „das Leben auch mehr sein muss, als die Welt für alle anderen zu retten.“

    In diesem Sinne langweile ich mich jetzt etwas weiter in meinem Praktikum. Und denke darüber nach es frühzeitig zu beenden.

    Jan Steinmetz hat an der Goethe-Universität einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen und plant nach seinem Praktikum bei einer großen deutschen Bank ein Studium der Politischen Theorie in Frankfurt/Darmstadt.

  9. […] werden können. Weitere gute Beiträge in diesem Blog – um einige zu nennen – waren der Hinweis von Jost auf die Beschleunigungstheorie und eine neue „temporale Elite“ oder Victorias Gedanken darüber, […]

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Publikation

Die Beiträge in diesem Debattenblog beziehen sich auf das Essay „Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam.“ von Harald Welzer. Wir wollen mit diesem Blog über die Analysen und Ideen des Essays diskutieren und dabei junge Menschen zu Wort kommen lassen. Alle Leser/innen sind aber dazu eingeladen, unsere Gastbeiträge zu kommentieren und zu verlinken. Der Essay kann hier bestellt oder runtergeladen werden.

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Kunst für das „gute Leben“

Mentale Infrastrukturen

Unter „mentalen Infrastrukturen“ versteht Harald Welzer Denkparadigmen, welche geprägte sind durch Alltagsroutinen, Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Deutungsmuster, die ihrerseits an den materiellen und institutionellen Infrastrukturen der Außenwelt gebildet sind. Beispielsweise das „Shoppen“ als Vergnügen zu sehen oder den Anspruch an sich selbst, einen guten Lebenslauf zu haben. Diese Infrastrukturen sind vor Allem von den spezifischen Produktions- und Konsumtionsverhältnissen in einer Gesellschaft abhängig und lassen sich sehr schwer verändern. Menschen werden mit diesen Leitvorstellungen geboren: Fortschritt, Freiheit, Wohlstand – und eben Wachstum