Debatte « Wie das Wachstum in unser Denken kam

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Ende dieses Debattenblogs. Doch ein erster Schritt ist getan.

24. September 2011, von Georg Koessler,

Das Debattenblog „Immer Mehr?!“ lief einen Sommer lang und versammelte junge, kritische Gedanken zu den Thesen Harald Welzers und zur wieder aufgeflammten Wachstumsdiskussion. Planmäßig werden keine neuen Beiträge erscheinen und die Kommentarfunktion wird abgeschaltet. Doch der Streit über die angesprochenen Fragen geht weiter. Er wurde durch Publikationen (z.B. von Tim Jackson, Harald Welzer), den Attac-Kongress und die vielen neuen Foren des Gedankenaustausches – von der Enquêtekommission des Deutschen Bundestages bis hin zu diesem kleinen Blog – beflügelt und bereichert.
„Immer mehr?!“ schaffte es dabei als m.E. einzige Plattform, dezidiert junge Stimmen zum Thema Wachstum und Lebensstile zu versammeln. Es war sinnvoll, die Debatte am Beitrag Harald Welzers aufzuziehen, bietet er doch ein Verständnis für die Fragen vieler Jugendlicher: warum sind sie und die Welt um sie herum trotz besseren Wissens so sehr auf Akkumulation ausgelegt ist. (more…)

Hannah Hüdepohl: Wachstum als Lebensprinzip?

11. Mai 2011, von Georg Koessler,

Hannah Hüdepohl

Oft musste ich während des Lesens ungläubig schmunzeln über den fehlenden Realitätsbezug des Individuums in Raum und Zeit. Wie selbstverständlich all die Dinge hingenommen werden, die vor drei Generationen noch gar nicht denkbar waren. Schaue ich mir Fotos von Städten am Anfang des 20. Jahrhunderts an, frage ich mich immer, was mir dort so fremd erscheint? Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Es gab mehr Platz auf den Straßen, weil die parkenden Autos fehlten!

Widersprüche des Wachstumsgedankens zeigen sich in allen Regionen der Welt, sei es durch leer stehende Hotelburgen an der spanischen Küste, den Transport von Hühnerbeinen aus Deutschland nach Kamerun oder die langwierigen Versuche das Loch im Golf von Mexiko zu stopfen. Der/Die BürgerIn kommt nicht umhin diese Nachrichten wahrzunehmen und geht dennoch Kaffee mit einem Schuss Karamellsirup trinken. Ist der intensive Geschmack einer sanft gerösteten Kaffeebohne nicht gut genug? (more…)

Gesine Agena: Wir sind doch die, von denen ihr „die Erde nur geborgt“ habt!

6. Mai 2011, von Georg Koessler,

Sprecherin der GRÜNEN JUGEND

Es ist kein Wunder, dass der Wachstumswahn nicht nur das wirtschaftliche Denken und fast alle politischen Parteiprogramme durchzieht, sondern sich ebenfalls als Paradigma in unserem Denken festgesetzt hat. Schon von Beginn an werden wir mit ihm erzogen und wachsen in einer Gesellschaft auf, in der immer noch das Motto „höher, schneller, weiter“ gilt. Die Verwertungslogik ist allgegenwertig, ganz egal, ob man sich die Schulen oder die Universitäten anschaut. Überall werden Jugendliche dazu angehalten, sich möglichst schnell bestimmtes Wissen anzueignen, das für Unternehmen und das Bruttoinlandsprodukt von Bedeutung ist. Erwartet wird, früh in die Schule zu kommen, nach 12 Jahren Abitur machen, im Bachelor-Master-System innerhalb der Regelstudienzeit die nötigen Creditpoints zu sammeln, um dann dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Gerade für uns als junge Generation ist der Text von Harald Welzer demnach (more…)

Einleitung zur Debatte

6. Mai 2011, von Georg Koessler,

Die Diskussion bringt den Stein ins Rollen

Die Wachstumsdebatte wird derzeit im Land verstärkt geführt und immer öfter finden sich Beiträge rund um dieses Thema auch in Mainstream-Medien. Fast 40 Jahre nach dem legendären Report des Club of Rome zu den „Grenzen des Wachstums“ stellen wir uns mit neuer Dringlichkeit heute fast die gleichen Fragen. Die prognostizierten ökonomischen, ökologischen und sozialen Krisen wie Klimawandel, Ressourcenkonflikte oder die sog. „Bubbles“ (z.B. auf dem Immobilienmarkt) sind eingetreten und verschärfen sich zusehens. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise von 2009/2010 hat den globalen Diskurs nachhaltig beeinflusst. Auch wenn die entscheidenden Reformen (noch) ausbleiben, so dürfen die Menschen wieder grundsätzlichere Fragen stellen, ohne ein Kopfschütteln zu ernten. (more…)

Publikation

Die Beiträge in diesem Debattenblog beziehen sich auf das Essay „Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam.“ von Harald Welzer. Wir wollen mit diesem Blog über die Analysen und Ideen des Essays diskutieren und dabei junge Menschen zu Wort kommen lassen. Alle Leser/innen sind aber dazu eingeladen, unsere Gastbeiträge zu kommentieren und zu verlinken. Der Essay kann hier bestellt oder runtergeladen werden.

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Kunst für das „gute Leben“

Mentale Infrastrukturen

Unter „mentalen Infrastrukturen“ versteht Harald Welzer Denkparadigmen, welche geprägte sind durch Alltagsroutinen, Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Deutungsmuster, die ihrerseits an den materiellen und institutionellen Infrastrukturen der Außenwelt gebildet sind. Beispielsweise das „Shoppen“ als Vergnügen zu sehen oder den Anspruch an sich selbst, einen guten Lebenslauf zu haben. Diese Infrastrukturen sind vor Allem von den spezifischen Produktions- und Konsumtionsverhältnissen in einer Gesellschaft abhängig und lassen sich sehr schwer verändern. Menschen werden mit diesen Leitvorstellungen geboren: Fortschritt, Freiheit, Wohlstand – und eben Wachstum