Individuum « Wie das Wachstum in unser Denken kam

Artikel getagged mit ‘Individuum’

Hannah Hüdepohl: Wachstum als Lebensprinzip?

11. Mai 2011, von Georg Koessler,

Hannah Hüdepohl

Oft musste ich während des Lesens ungläubig schmunzeln über den fehlenden Realitätsbezug des Individuums in Raum und Zeit. Wie selbstverständlich all die Dinge hingenommen werden, die vor drei Generationen noch gar nicht denkbar waren. Schaue ich mir Fotos von Städten am Anfang des 20. Jahrhunderts an, frage ich mich immer, was mir dort so fremd erscheint? Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Es gab mehr Platz auf den Straßen, weil die parkenden Autos fehlten!

Widersprüche des Wachstumsgedankens zeigen sich in allen Regionen der Welt, sei es durch leer stehende Hotelburgen an der spanischen Küste, den Transport von Hühnerbeinen aus Deutschland nach Kamerun oder die langwierigen Versuche das Loch im Golf von Mexiko zu stopfen. Der/Die BürgerIn kommt nicht umhin diese Nachrichten wahrzunehmen und geht dennoch Kaffee mit einem Schuss Karamellsirup trinken. Ist der intensive Geschmack einer sanft gerösteten Kaffeebohne nicht gut genug? (more…)

Publikation

Die Beiträge in diesem Debattenblog beziehen sich auf das Essay „Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam.“ von Harald Welzer. Wir wollen mit diesem Blog über die Analysen und Ideen des Essays diskutieren und dabei junge Menschen zu Wort kommen lassen. Alle Leser/innen sind aber dazu eingeladen, unsere Gastbeiträge zu kommentieren und zu verlinken. Der Essay kann hier bestellt oder runtergeladen werden.

Mitmachen? / Participate?

Du kannst bei dieser Blogdiskussion mitmachen! Kommentiere die Artikel oder reichen Deinen eigenen Artikel bei koessler@boell.de ein. / You can participate in this blog-discussion! Just comment any of the articles or send your own contribution to koessler@boell.de.

Kunst für das „gute Leben“

Mentale Infrastrukturen

Unter „mentalen Infrastrukturen“ versteht Harald Welzer Denkparadigmen, welche geprägte sind durch Alltagsroutinen, Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Deutungsmuster, die ihrerseits an den materiellen und institutionellen Infrastrukturen der Außenwelt gebildet sind. Beispielsweise das „Shoppen“ als Vergnügen zu sehen oder den Anspruch an sich selbst, einen guten Lebenslauf zu haben. Diese Infrastrukturen sind vor Allem von den spezifischen Produktions- und Konsumtionsverhältnissen in einer Gesellschaft abhängig und lassen sich sehr schwer verändern. Menschen werden mit diesen Leitvorstellungen geboren: Fortschritt, Freiheit, Wohlstand – und eben Wachstum