Politik « Wie das Wachstum in unser Denken kam

Artikel getagged mit ‘Politik’

Kritik an Welzer: Ohne Politik geht auch nix!

27. Juli 2011, von Georg Koessler,

Auch wichtig: Bewegung in der Politik. (Bild vom Autor)

Auch wichtig: Bewegung in der Politik. (Bild vom Autor)

Das Essay von Harald Welzer erntete beim Attac-Kongress viel Applaus, auch dafür, dass es „die Politik“ als unzureichend und fehlgeleitet in eine Ecke abschob und mit dem Aufruf zu „jetzt mal Kultur!“ bei vielen linken Seelen die Hoffnung auf eine neue umfassende Strategie zu erwecken schien. So richtig der Ansatz von Welzer ist, die kulturelle Komponente des Wachstumsdilemmas anzugehen, so kritisch finde ich sein dahinter liegendes Politikverständnis. Gerade in einer Demokratie ist Politik immer etwas, das von allen gestaltet wird und nicht eine Sphäre irgendwo da draußen ist.

Das Missverständnis wird gleich zu Beginn des Textes festgeschrieben. (more…)

Max Pichl: Die Revolutionierung des Subjekts

24. Mai 2011, von Georg Koessler,

Maximilian PichlDer Beitrag „Mentale Infrastrukturen“ von Harald Welzer liefert eine ungewöhnlich innovative Perspektive auf die laufende Wachstumsdebatte. Der politische und mediale Mainstream diskutiert die Frage des Wachstums praktisch ausschließlich auf einer technischen Ebene, sprich: welche Technologien müssen eingesetzt werden, um die Energieerzeugung nachhaltiger zu gestalten; wie muss die Politik sich verändern, um das Ziel einer postcarbonen Gesellschaft zu erreichen usw. Welzer wendet sich direkt den Subjekten zu. „Nichts ist niemals fertig, die Arbeit hört niemals auf“ – dieser Satz aus Welzers Essay scheint paradigmatisch für die kapitalistische Gesellschaft zu sein. Kein Wunder, dass Arbeiterinnen und Arbeiter in der Vergangenheit immer wieder im Zuge von Streiks die Stechuhren zerstörten, sozusagen das Symbol der Kontrolle in der kapitalistischen Produktionsweise. Welzers Essay scheint eine übergeordnete Fragestellung zu beschäftigen: warum vollziehen sich politische Veränderungen in der aktuellen Gesellschaftsformation so schleppend langsam oder kommen erst gar nicht zur Entfaltung? Warum halten die Menschen scheinbar freiwillig an einem offensichtlich gescheiterten Wachstumsparadigma fest? (more…)

Publikation

Die Beiträge in diesem Debattenblog beziehen sich auf das Essay „Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam.“ von Harald Welzer. Wir wollen mit diesem Blog über die Analysen und Ideen des Essays diskutieren und dabei junge Menschen zu Wort kommen lassen. Alle Leser/innen sind aber dazu eingeladen, unsere Gastbeiträge zu kommentieren und zu verlinken. Der Essay kann hier bestellt oder runtergeladen werden.

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Kunst für das „gute Leben“

Mentale Infrastrukturen

Unter „mentalen Infrastrukturen“ versteht Harald Welzer Denkparadigmen, welche geprägte sind durch Alltagsroutinen, Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Deutungsmuster, die ihrerseits an den materiellen und institutionellen Infrastrukturen der Außenwelt gebildet sind. Beispielsweise das „Shoppen“ als Vergnügen zu sehen oder den Anspruch an sich selbst, einen guten Lebenslauf zu haben. Diese Infrastrukturen sind vor Allem von den spezifischen Produktions- und Konsumtionsverhältnissen in einer Gesellschaft abhängig und lassen sich sehr schwer verändern. Menschen werden mit diesen Leitvorstellungen geboren: Fortschritt, Freiheit, Wohlstand – und eben Wachstum