Weiteres zu Wachstum « Wie das Wachstum in unser Denken kam

Weiteres zu Wachstum

Wie kann der Konflikt zwischen Belastungsgrenzen des Ökosystems und dem Wachstum von Weltwirtschaft und Weltbevölkerung gelöst werden? Antworten auf diese Fragen suchen Autoren und Referenten der Heinrich-Böll-Stiftung in ihren Publikationen, Veranstaltungen und Diskussionsforen.

 

  • Böll.Thema: Grenzen des Wachstums – Wachstum der Grenzen

So erörtert die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Böll.Thema „Grenzen des Wachstums – Wachstum der Grenzen“ die Utopie einer zweiten ökologischen Moderne aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei geht es nicht nur um neue Technologien, sondern um eine neue industrielle Zivilisation. Bisher wurde der wachsende gesellschaftliche Reichtum durch die Verarmung der Natur erkauft. Künftig geht es um Wachsen im Einklang mit der Natur. Dafür stehen die Stichworte «Blue Economy» und Bionik. Peter Sloterdijk diskutiert die Alternativen eines auf Selbstbeschränkung zielenden grünen Puritanismus und einer Erweiterung der Grenzen der Natur durch eine Verschmelzung der Biosphäre mit der Technosphäre. Weitere Beiträge, beziehen sich auf die weltweite Jagd nach Rohstoffen (Barbara Unmüßig), die Lektionen aus der atomaren Katastrophe in Japan und auf die Diskussion um Wachstumsverzicht.

 

  • Neue „grüne“ Wachstumsgläubigkeit?

Konrad Ott hat mittlerweile eine Replik auf die Thesen von Ralf Fücks und Peter Sloterdijk formuliert und dabei gleich einen Überblick über die bestehenden Position in der Thematik gemacht.

 

  • „Wohlstand ohne Wachstum“ und „Mentale Infrastrukturen“

Für Tim Jackson, Autor des Buches „Wohlstand ohne Wachstum“, und Harald Welzer, Verfasser des Essays „Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam“, bleibt der individuelle Lebensstil Schlüssel für die Zukunft: Sie plädieren für einen Wohlstandsbegriff, der nicht nur auf materiellen Bedürfnissen beruht, sondern die „Kultur des Konsumismus“ (Tim Jackson) abbaut und Faktoren wie Glück, sozialen Zusammenhalt und eine intakte Umwelt mit einbeziehen müsse. Silke Helfrich diskutiert im Blogeintrag „Commons jenseits des Wachstums“ den Zusammenhang von Gemeingütern und Wachstum.

 

  • „Buen Vivir – Recht auf gutes Leben“

In allen Debatten um zukunftsfähige Entwicklungen blitzen die Ideale einer solidarischeren Welt auf und der Wunsch nach Glück und einem guten Leben. Diskussionen darüber gibt es längst auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. Eine Vielfalt von Akteurinnen und Akteuren  sucht überall auf der Welt nach Alternativen zum Wachstumszwang. So auch in Lateinamerika. In Ecuador und Bolivien hat das Recht auf ein gutes Leben Verfassungsrang erhalten. „Buen Vivir – Recht auf gutes Leben“ beruft sich auf indigene Traditionen und Wertvorstellungen. Der Essay von Thomas Fatheuer beschreibt ein Konzept, das in Europa bislang kaum wahrgenommen wurde.

 

  • Kongress „Jenseits des Wachstums?!“

Auf dem internationalen Kongress „Jenseits des Wachstums?!“ (20. – 22. Mai 2011) in der Technischen Universität Berlin werden unsere Autor/innen Harald Welzer, Tim Jackson, Thomas Fatheuer, Barbara Unmüßig und Ralf Fücks ihre Thesen vorstellen. Darüber hinaus erwarten wir die engagierte Bürgerrechtlerin und Feministin für soziale Gerechtigkeit Vandana Shiva, Nnimmo Bassey als Gründer von Friends of the Earth Nigeria und Silas Siakor, liberianischer Umweltschützer und Menschenrechtsaktivist. (Download Kurzbios, PDF)

Im Mittelpunkt des Kongresses steht die Frage, was falsch ist an der gegenwärtigen Wachstumsökonomie. Wie könnte eine Gesellschaft ohne Wachstumszwang aussehen? In über 70 Veranstaltungen wird darüber diskutiert, wie eine Postwachstumsökonomie aussehen könnte, welche Hindernisse es auf dem Weg zu einer solidarischen Gesellschaft ohne Wachstum zu überwinden gilt, und warum Umverteilung ein zentraler Bestandteil einer nicht wachsenden Wirtschaft sein muss.

 

  • Debattenblog: Wie das Wachstum in unser Denken kam“

Junge Menschen bis Mitte 20 nehmen sich dieser und anderer Fragen im neuen Debattenblog „Wie das Wachstum in unser denken kam“. Anlass ist das Essay „Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam“ von Harald Welzer, dessen Ideen und Analysen zur Debatte stehen.


  • Der Green New Deal

Die Zukunft beginnt jetzt! – ist das Motto des Programms Green New Deal. Die Wirtschaft brummt wieder, aber die großen ökologischen und sozialen Fragen bleiben ungelöst: der Klimawandel, die Verknappung natürlicher Ressourcen, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Die Idee eines «Green New Deal» gibt einige Antworten auf diese Herausforderungen. Es geht uns um Alternativen für die ökologische Erneuerung der Wirtschaft und den Umbau des Energiesystems, um soziale Teilhabe und eine zukunftsfähige Gesellschaft.

 

 

  • Weitere Interessante Links


Rio+20

Klima der Gerechtigkeit

Zivilisationstheorie von Norbert Elias

„Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ von Max Weber

„Poetik des ökonomischen Menschen“ von Joseph Vogl

Das Post-Wachstumsblog

Publikation

Die Beiträge in diesem Debattenblog beziehen sich auf das Essay „Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam.“ von Harald Welzer. Wir wollen mit diesem Blog über die Analysen und Ideen des Essays diskutieren und dabei junge Menschen zu Wort kommen lassen. Alle Leser/innen sind aber dazu eingeladen, unsere Gastbeiträge zu kommentieren und zu verlinken. Der Essay kann hier bestellt oder runtergeladen werden.

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Kunst für das „gute Leben“

Mentale Infrastrukturen

Unter „mentalen Infrastrukturen“ versteht Harald Welzer Denkparadigmen, welche geprägte sind durch Alltagsroutinen, Gewohnheiten, Wahrnehmungs- und Deutungsmuster, die ihrerseits an den materiellen und institutionellen Infrastrukturen der Außenwelt gebildet sind. Beispielsweise das „Shoppen“ als Vergnügen zu sehen oder den Anspruch an sich selbst, einen guten Lebenslauf zu haben. Diese Infrastrukturen sind vor Allem von den spezifischen Produktions- und Konsumtionsverhältnissen in einer Gesellschaft abhängig und lassen sich sehr schwer verändern. Menschen werden mit diesen Leitvorstellungen geboren: Fortschritt, Freiheit, Wohlstand – und eben Wachstum